Aminosäuren beim Pferd - Bausteine der Gesundheit

Aminosäuren beim Pferd - Bausteine der Gesundheit

Erstveröffentlichung: März 2025
Aktualisiert: Juni 2026

Aminosäuren sind zentrale Bausteine des Lebens – auch in der Pferdefütterung. Ohne eine ausreichende Versorgung mit allen essentiellen Aminosäuren sind weder Muskelaufbau noch Fellwechsel oder eine stabile Immunabwehr möglich. Doch was genau sind Aminosäuren, wie unterscheiden sie sich, und worauf sollte man bei der Fütterung achten?

Was sind Aminosäuren?

Aminosäuren sind organische Verbindungen, die zu Proteinen zusammengesetzt werden. Proteine wiederum sind an nahezu allen biologischen Prozessen beteiligt – vom Zellaufbau über Enzymfunktionen bis hin zur Immunabwehr. Der Körper des Pferdes kann manche Aminosäuren selbst herstellen, andere müssen über das Futter zugeführt werden.

Essentielle vs. nicht-essentielle Aminosäuren

Man unterscheidet:

  • Essentielle Aminosäuren: Diese kann das Pferd nicht oder nur in unzureichender Menge selbst synthetisieren. Sie müssen mit dem Futter aufgenommen werden.
  • Nicht-essentielle Aminosäuren: Diese kann der Organismus aus anderen Substanzen selbst herstellen – sofern ausreichend Stickstoff und Energie vorhanden sind.

Essentielle Aminosäuren beim Pferd

Die folgenden Aminosäuren gelten für Pferde als essentiell:

  1. Lysin
  2. Methionin
  3. Threonin
  4. Tryptophan
  5. Valin
  6. Leucin
  7. Isoleucin
  8. Phenylalanin
  9. Histidin
  10. Arginin (bedingt essentiell, besonders bei Fohlen und in Belastungssituationen)

Lysin gilt als die erstlimitierende Aminosäure beim Pferd – das heißt: Ist sie im Futter zu knapp, können auch die anderen Aminosäuren nicht effektiv genutzt werden.

Nicht-essentielle Aminosäuren

Diese Aminosäuren kann das Pferd selbst herstellen:

  • Alanin
  • Asparagin
  • Asparaginsäure
  • Glutamin
  • Glutaminsäure
  • Glycin
  • Prolin
  • Serin
  • Tyrosin (aus Phenylalanin)

Obwohl diese Aminosäuren nicht zwingend zugeführt werden müssen, kann eine gezielte Ergänzung in bestimmten Fällen (z. B. Rekonvaleszenz, Leistung oder Hautprobleme) sinnvoll sein.

Aminosäurenreiche Futtermittel

Besonders reich an hochwertigen, essentiellen Aminosäuren sind:

  • Luzerne (hoher Lysingehalt, sehr gute biologische Wertigkeit)
  • Leinkuchen
  • Hanfkuchen
  • Sonnenblumenpresskuchen

Diese Futtermittel zählen zu den wichtigsten natürlichen Lieferanten hochwertiger Aminosäuren. Bierhefe kann die Versorgung zusätzlich ergänzen.

In der natürlichen Pferdefütterung sollte der Fokus vor allem auf Luzerne, Hanf und Leinkuchen liegen – diese sind auch für viele empfindliche oder allergische Pferde gut verträglich.

Wann brauchen Pferde besonders viele essentielle Aminosäuren?

Ein erhöhter Bedarf besteht bei:

  • Jungpferden im Wachstum
  • Stuten in Trächtigkeit und Laktation
  • Pferden im Muskelaufbau oder Training
  • Rekonvaleszenten nach Krankheiten oder Operationen
  • Senioren mit abnehmender Verdauungseffizienz
  • Pferden im Fellwechsel
  • immungeschwächten Tieren

Leistungspferde benötigen regelmäßig eine hochwertige Versorgung, um Muskulatur, Ausdauer und Regeneration aufrechtzuerhalten.

Rasseunterschiede und genetische Faktoren

  • Robustrassen (z. B. Isländer, Fjordpferde) haben oft eine effizientere Stickstoffverwertung und einen insgesamt niedrigeren Bedarf, dürfen aber im Fellwechsel schnell in Mangel geraten, wenn nicht nachgesteuert wird.
  • Sportpferderassen (Warmblüter, Araber, Vollblüter) haben einen deutlich höheren Bedarf an Lysin, Methionin und Threonin – insbesondere bei Arbeit oder Substanzverlust.
  • Seniorenpferde haben häufig eine verminderte Aufnahmefähigkeit im Dünndarm – hier ist besonders auf die Qualität und Verdaulichkeit der Aminosäuren zu achten.

Kritische Lebensphasen und Erkrankungen

Besondere Aufmerksamkeit sollten Sie bei folgenden Erkrankungen oder Zuständen schenken:

  • PPID (Cushing): Diese Pferde verlieren oft Muskulatur und benötigen daher eine hochwertige Versorgung mit essentiellen Aminosäuren.
  • EMS / Übergewicht: Auch hier ist eine gezielte Versorgung mit hochwertigem Protein sinnvoll, um Muskulatur zu erhalten.
  • Magen-Darm-Probleme: Die Aufnahme von Aminosäuren kann gestört sein – hochwertige Proteinquellen sind besonders wichtig.
  • Ekzemer: Hier kann insbesondere Methionin für Haut und Fell von Bedeutung sein.
  • Hufrehe-Nachsorge: Methionin, Cystein und Biotin spielen eine wichtige Rolle für das Hufwachstum.

Fütterungspraxis – worauf kommt es an?

  • Qualität schlägt Menge: Ein Futtermittel mit hohem Rohproteingehalt ist nicht automatisch hochwertig, wenn das Aminosäuremuster unausgewogen ist.
  • Biologische Wertigkeit beachten: Kombinieren Sie verschiedene Proteinquellen, um ein möglichst vollständiges Aminosäureprofil zu erhalten.
  • Individuelle Bedarfsanalyse: Gewicht, Rasse, Alter, Haltungsform, Arbeit und gesundheitlicher Zustand sollten in die Berechnung einfließen.
  • Nicht blind ergänzen: Eine übermäßige Proteinzufuhr kann den Stoffwechsel belasten. Qualität geht vor Quantität.

Wie hoch ist der Bedarf an essentiellen Aminosäuren beim Pferd?

Laut GfE (2014) benötigt ein 500 kg schweres Pferd im Erhaltungsbedarf folgende Mengen an dünndarmverdaulichen Aminosäuren pro Tag:

  • Lysin: ca. 13 g/Tag
  • Methionin + Cystein: ca. 9 g/Tag
  • Threonin: ca. 16 g/Tag

Diese Werte gelten für Pferde ohne Arbeit, also bei minimaler Belastung.

Bei Training, Wachstum, Fellwechsel, Laktation oder Erkrankungen steigt der Bedarf je nach Situation deutlich an.

Das Problem in der Praxis: Viele Rationen liefern zwar ausreichend Rohprotein, aber nicht genügend verdauliche essentielle Aminosäuren. Gerade Lysin ist häufig der kritische Faktor, obwohl der Gesamtproteingehalt auf dem Papier ausreichend erscheint.

Nicht die Menge an Protein entscheidet, sondern dessen Verfügbarkeit und Aminosäurenprofil.

Hochwertige Proteinträger wie Luzerne, Hanf- und Leinkuchen können hier einen wichtigen Beitrag leisten.

👉 Der tatsächliche Bedarf an Aminosäuren lässt sich jedoch nicht pauschal bestimmen. Neben Alter, Arbeit und Gesundheitszustand spielt vor allem die Qualität des Grundfutters eine entscheidende Rolle. Warum eine Heuanalyse die Grundlage einer bedarfsgerechten Fütterung sein kann, erfahren Sie in unserem Artikel über die Heuanalyse beim Pferd.

Fazit: Aminosäuren sind Schlüsselstoffe für Vitalität

Wer Muskelaufbau, Fellwechsel, gesunde Hufe, eine stabile Immunabwehr und Leistungsfähigkeit bei seinem Pferd erwartet, sollte den essentiellen Aminosäuren besondere Aufmerksamkeit schenken. Besonders Lysin, Methionin und Threonin sind häufig limitierende Faktoren – hier lohnt sich eine gezielte Futterstrategie mit hochwertigen pflanzlichen Proteinträgern.


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  • Pferde im Muskelaufbau oder Training
  • ältere Pferde mit Muskelschwund
  • stoffwechselempfindliche Pferde (z. B. PSSM, EMS oder PPID)

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