Vitamin D beim Pferd – warum Du es NICHT supplementieren solltest

Vitamin D beim Pferd – warum Du es NICHT supplementieren solltest

Erstveröffentlichung: November 2025
Überarbeitet und aktualisiert: Juni 2026

Vitamin D ist eines der meistdiskutierten Mikronährstoffe – sowohl im Humanbereich als auch in der Pferdefütterung. Viele Produkte werben mit „Immunsystem“, „Knochenstärke“ und „Stoffwechseloptimierung“. Doch die Fakten zeigen eindeutig: Beim Pferd ist eine zusätzliche Gabe von Vitamin D nicht nur überflüssig, sondern kann bei falscher Dosierung sogar massiven Schaden anrichten.

Welche Aufgaben hat Vitamin D beim Pferd? 

Vitamin D übernimmt im Pferdekörper einige klar definierte, aber überschaubare Rollen:

  • Regulation des Calcium-Phosphor-Haushalts: Es steuert die Aufnahme von Calcium aus dem Darm sowie den Einbau in Knochen und Zähne.
  • Knochenstoffwechsel: Es unterstützt den Erhalt der Knochendichte – aber nur in Kombination mit ausreichender Bewegung und Sonnenlicht.
  • Modulation des Immunsystems: Vitamin D wirkt mit an der Steuerung bestimmter Abwehrmechanismen.

Wie produziert der Pferdekörper Vitamin D? 

Pferde können Vitamin D selbst herstellen, und zwar äußerst effizient:
 
1. UVB-Strahlung = natürliche Vitamin-D-Quelle 
Wenn UVB-Licht auf die Haut trifft, bildet der Körper aus Vorstufen das aktive Vitamin D.
Bereits regelmäßiger Aufenthalt im Freien ermöglicht unter normalen Haltungsbedingungen eine ausreichende körpereigene Vitamin-D-Bildung.
 
2. Heu liefert ausreichend Vorstufen 
Auch über das Grundfutter nimmt das Pferd Vitamin-D-Vorstufen auf. Insbesondere sonnengetrocknetes Heu trägt zusätzlich zur natürlichen Versorgung bei.
 
3. Natürliche Regulation verhindert Mangel 
Der Organismus steuert die Vitamin-D-Produktion nach Bedarf.
Selbst wenn das Pferd den ganzen Sommer über in der Sonne steht, entsteht keine Überproduktion – der Körper regelt automatisch herunter.


Warum Vitamin-D-Supplemente beim Pferd überflüssig sind 

Die Fütterungspraxis zeigt klar:
Vitamin-D-Mängel sind beim Pferd extrem selten.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass klinisch relevante Vitamin-D-Mängel bei gesunden Pferden unter üblichen Haltungsbedingungen kaum beschrieben sind.

Warum?

  • Pferde stehen in der Regel regelmäßig im Freien. Regelmäßiger Aufenthalt im Freien sorgt unter normalen Haltungsbedingungen für eine ausreichende körpereigene Vitamin-D-Bildung.
  • Die Vorstufen aus dem Grundfutter reichen aus, um die Bildung im Körper zu unterstützen.
  • Der Bedarf des Pferdes ist vergleichsweise gering.

Solange ein Pferd nicht dauerhaft in einer komplett geschlossenen Stallanlage ohne Auslauf lebt (was in Österreich und Deutschland unüblich und tierschutzwidrig wäre), kommt es praktisch nicht zu Unterversorgung.

Warum Vitamin D zu supplementieren sogar SCHÄDLICH sein kann 

Und hier wird es ernst:
Vitamin D ist fettlöslich und wird im Körper gespeichert.
Das heißt: Zu viel davon wird nicht einfach ausgeschieden.
 
Eine Überversorgung kann zu:

  • Hypercalcämie (zu viel Calcium im Blut)
  • Nierenverkalkung
  • Schädigung von Herz und Gefäßen
  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Schwäche
  • Organversagen
    führen.

Das ist keine Theorie – das ist vielfach dokumentiert.

Überdosierungen sind vor allem durch Futtermischungen oder Dosierungsfehler beschrieben worden.
 
Der kritische Punkt:
Viele Ergänzungsfuttermittel am Markt enthalten Vitamin D zusätzlich zu mineralisierten Müslis oder Mineralfuttern, wodurch Pferde schnell in den Bereich der Überversorgung rutschen.
 
Für Freizeitpferde ist das Risiko besonders hoch – sie haben einen geringen Bedarf, aber oft mehrere Produkte im Einsatz.

Vitamin D: Wann wäre ein Mangel denkbar? 

Nur in absoluten Ausnahmefällen:

  • Pferde in vollständiger Innenhaltung ohne Lichtzufuhr
  • Pferde mit schweren Lebererkrankungen, die die Aktivierung des Vitamins behindern
  • Tiere, die über längere Zeit kein oder nur unzureichend Raufutter erhalten (z. B. in Katastrophenfällen oder bei einer Notversorgung)

In diesen Fällen wird jedoch nicht blind supplementiert, sondern ausschließlich:

  • per Blutbild festgestellt
  • tierärztlich überwacht behandelt

Bewusste Fütterung setzt hier auf Laborwerte – nicht auf pauschale Zusätze.

Warum enthalten viele Mineralfutter trotzdem Vitamin D?

Viele Mineralfutter enthalten Vitamin D, weil sich ihre Rezepturen an internationalen Standardempfehlungen orientieren oder historisch aus der Rinder- und Schweinefütterung übernommen wurden. Für Pferde mit regelmäßigem Weidegang oder täglichem Auslauf besteht jedoch in den meisten Fällen keine Notwendigkeit für eine zusätzliche Vitamin-D-Zufuhr. Aus diesem Grund verzichten einige Hersteller bewusst auf einen pauschalen Zusatz von Vitamin D und setzen stattdessen auf eine bedarfsgerechte Ergänzung tatsächlich kritischer Nährstoffe.

Was bedeutet das für eine artgerechte Fütterungsstrategie? 

Für die meisten Pferde besteht kein Anlass, Vitamin D zusätzlich zu supplementieren. Stattdessen sollte der Fokus auf einer bedarfsgerechten und natürlichen Versorgung liegen.
 
Der Fokus sollte stattdessen auf

  • hochwertigem Grundfutter
  • ausreichend tägliche Sonnen- und Frischluftzeit
  • zielgerichteten Spurenelementen wie Zink, Selen, Kupfer (z.B. mit Hilfe einer Heuanalyse)
  • bedarfsorientierter Protein- und Aminosäurenversorgung
  • guter Heuqualität
    liegen.

Damit wird alles abgedeckt, was der Organismus braucht – ohne Risiko einer toxischen Belastung.

Fazit 

Vitamin D ist wichtig – aber nicht in Form einer Zusatzgabe. Der Pferdekörper ist darauf ausgelegt, es selbst zu bilden.
Solange ein Pferd regelmäßig draußen ist und normales Raufutter bekommt, ist der Bedarf gedeckt.
 
Eine zusätzliche Supplementierung bringt keinen Mehrwert, aber erhöht massiv das Risiko gesundheitlicher Schäden.

Für die überwiegende Mehrzahl aller Pferde besteht daher kein Grund, Vitamin D zusätzlich zu supplementieren. Entscheidend sind vielmehr ausreichend Bewegung im Freien, hochwertiges Raufutter und eine bedarfsgerechte Versorgung mit den tatsächlich kritischen Nährstoffen.

Nicht jeder Nährstoff, der wichtig ist, muss auch ergänzt werden. Eine bedarfsgerechte Fütterung bedeutet, nur das zu ergänzen, was tatsächlich fehlt.

 

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