Heuanalyse beim Pferd: Proben richtig entnehmen und Nährstoffversorgung sicher beurteilen

Heuanalyse beim Pferd: Proben richtig entnehmen und Nährstoffversorgung sicher beurteilen

Wer sein Pferd bedarfsgerecht füttern möchte, kommt an einer Heuanalyse kaum vorbei. Denn nur wer weiß, welche Nährstoffe bereits im Grundfutter enthalten sind, kann gezielt ergänzen und unnötige Überversorgungen vermeiden.

Doch eine Heuanalyse ist nur dann aussagekräftig, wenn die Probe richtig entnommen wird.

Warum eine Heuanalyse sinnvoll ist

Heu ist das wichtigste Futtermittel des Pferdes und macht den größten Teil der täglichen Ration aus. Je nach Haltung und Jahreszeit frisst ein Großpferd zwischen 10 und 20 Kilogramm Heu pro Tag.

Bereits kleine Unterschiede in den Nährstoffgehalten können sich dadurch erheblich auf die tägliche Versorgung auswirken.

Eine Heuanalyse hilft dabei,

  • die tatsächliche Nährstoffversorgung zu beurteilen,
  • Mangelerscheinungen und Überversorgungen zu vermeiden,
  • Ergänzungsfuttermittel gezielt einzusetzen,
  • unnötige Kosten für überflüssige Supplemente zu sparen.

Warum eine Probe aus einem Ballen nicht ausreicht

Ein häufiger Fehler besteht darin, nur einen einzelnen Heuballen zu beproben.

Heu ist jedoch ein Naturprodukt. Selbst Ballen derselben Ernte können sich in ihren Nährstoffgehalten unterscheiden. Ursache dafür sind unter anderem:

  • unterschiedliche Pflanzenbestände,
  • verschiedene Bodenverhältnisse,
  • unterschiedliche Schnittzeitpunkte,
  • Witterungseinflüsse.

Deshalb werden für eine aussagekräftige Analyse grundsätzlich Mischproben angefertigt.

So wird eine Mischprobe richtig erstellt

Für eine repräsentative Probe sollten aus möglichst vielen Heuballen kleine Mengen entnommen werden.

Dabei gilt:

  • Proben immer aus der Ballenmitte entnehmen.
  • Material vom Rand möglichst nicht verwenden, da dieses stärker Witterungseinflüssen ausgesetzt sein kann.
  • Insgesamt etwa 0,5 bis 1 Kilogramm Material sammeln.

Die Einzelproben werden anschließend in einer sauberen Schubkarre oder einem sauberen Behälter gründlich vermischt. Aus dieser Mischung wird etwa ein Kilogramm für das Labor entnommen.

Grundsätzlich gilt:

Je mehr Ballen in die Mischprobe einbezogen werden, desto aussagekräftiger wird das Ergebnis.

Heu aus verschiedenen Quellen richtig berücksichtigen

Nicht jeder Stall verfügt nur über eine einzige Heupartie. Oft stammt das Heu von unterschiedlichen Lieferanten, verschiedenen Wiesen oder mehreren Schnitten.

In diesem Fall müssen die Proben entsprechend der späteren Fütterung zusammengestellt werden.

Beispiel:

  • 1/3 eigenes Heu
  • 2/3 zugekauftes Heu

Dann sollte auch die Mischprobe aus etwa einem Drittel eigenem und zwei Dritteln zugekauftem Heu bestehen.

Das gleiche Prinzip gilt für verschiedene Wiesen oder unterschiedliche Schnitte.

Was tun, wenn verschiedene Heupartien nacheinander verfüttert werden?

Nicht jeder Pferdehalter hat ausreichend Lagerkapazität, um die gesamte Heuernte oder mehrere Lieferungen gleichzeitig auf dem Hof zu lagern.

In der Praxis wird häufig zunächst das eigene Heu verfüttert und später zugekauftes Heu eingesetzt. Auch unterschiedliche Lieferanten oder verschiedene Erntepartien werden oft nacheinander verfüttert – je nachdem, welche Charge gerade verfügbar ist.

In solchen Fällen ist es sinnvoll, für jede Heupartie eine eigene Analyse anfertigen zu lassen. Nur so lässt sich die tatsächliche Nährstoffversorgung während des jeweiligen Fütterungszeitraums realistisch beurteilen.

Auf den ersten Blick mögen mehrere Heuanalysen zusätzliche Kosten verursachen. Verglichen mit wiederholten Blutanalysen – die in der Regel deutlich teurer sind – oder einer Supplementierung auf Verdacht sind sie jedoch meist die wirtschaftlichere Lösung.

Darüber hinaus vermeiden gezielte Heuanalysen unnötige Überversorgungen und ermöglichen es, Ergänzungsfuttermittel wirklich bedarfsgerecht einzusetzen.

Wann sollte eine Heuanalyse durchgeführt werden?

Frisch geerntetes Heu sollte nicht sofort untersucht werden.

Empfohlen wird eine Analyse nach der sogenannten Ausschwitzphase, also etwa sechs bis acht Wochen nach der Ernte. Danach kann die Untersuchung problemlos bis ins Frühjahr hinein erfolgen.

Warum die Analyse jedes Jahr wiederholt werden sollte

Die Nährstoffgehalte im Heu ändern sich von Jahr zu Jahr.

Einfluss haben unter anderem:

  • Witterung,
  • Vegetation,
  • Düngung,
  • Schnittzeitpunkt,
  • Pflanzenzusammensetzung.

So kann es durchaus vorkommen, dass in einem Jahr ausreichend Zink im Heu vorhanden ist, während im nächsten Jahr eine gezielte Ergänzung sinnvoll wird.

Eine einmalige Heuanalyse liefert daher keine lebenslang gültigen Werte.

Sind Durchschnittswerte überhaupt ausreichend?

Viele Pferdehalter erwarten exakte Werte bis auf das letzte Milligramm. In der Natur gibt es diese Konstanz jedoch nicht.

Auch auf der Weide nimmt ein Pferd täglich unterschiedliche Mengen an Mineralstoffen und Spurenelementen auf. Der Organismus ist darauf eingestellt und verfügt über verschiedene Speicher- und Regulationsmechanismen.

Deshalb sind Durchschnittswerte aus einer sorgfältig entnommenen Mischprobe für die praktische Fütterung vollkommen ausreichend.

Welche Werte sollte eine Heuanalyse enthalten?

Für eine fundierte Rationsberechnung empfiehlt sich möglichst eine Vollanalyse.

Sinnvoll sind unter anderem Angaben zu:

  • Energie,
  • Rohprotein,
  • Zucker,
  • Fruktan,
  • Mengenelementen,
  • Spurenelementen,
  • Selen,
  • Jod.

Je umfangreicher die Analyse ist, desto genauer lässt sich die Versorgung beurteilen.

Welche Labore führen Heuanalysen durch?

Geeignete Labore sind beispielsweise:

  • AGES (Österreich)
  • LUFA
  • LKV Sachsen

Der LKV Sachsen bietet eine umfangreiche Vollanalyse inklusive Zucker, Fruktan, Selen und Jod zu vergleichsweise günstigen Konditionen an. Da sich Preise ändern können, empfiehlt sich ein Blick auf die aktuellen Informationen des jeweiligen Labors.


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Tipp: Die Kosten können oft geteilt werden

Wird die Heuanalyse nicht vom Stallbetreiber organisiert oder bezahlt, müssen die Kosten nicht zwangsläufig von einer einzelnen Person getragen werden.

Letztlich profitieren alle Pferde, die dieses Heu fressen, von einer bedarfsgerechten Fütterung. Deshalb bietet es sich an, die Kosten für die Analyse gemeinsam mit anderen Einstellern zu teilen.

Gerade bei größeren Ställen reduziert sich der Anteil für den einzelnen Pferdehalter dadurch häufig auf einen sehr überschaubaren Betrag.

Verglichen mit wiederholten Blutanalysen oder einer jahrelangen Supplementierung auf Verdacht ist die Heuanalyse in der Regel die deutlich wirtschaftlichere Lösung.

Fazit

Die Heuanalyse ist die wichtigste Grundlage für eine bedarfsgerechte Pferdefütterung.

Wer regelmäßig analysiert und nur tatsächlich bestehende Defizite ergänzt,

  • vermeidet unnötige Überversorgungen,
  • setzt Ergänzungsfuttermittel gezielt ein,
  • spart langfristig Kosten,
  • und schafft die Grundlage für eine durchdachte Fütterung.

Ohne Kenntnis der Nährstoffgehalte des Grundfutters bleibt jede Mineralstoffversorgung letztlich ein Blick in die Glaskugel.

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