Samen, Öl oder Presskuchen – was passt zu meinem Pferd?

Samen, Öl oder Presskuchen – was passt zu meinem Pferd?

Leinöl, Hanföl, Schwarzkümmelöl oder doch lieber ein Presskuchen? Wer die tägliche Futterration seines Pferdes auf natürliche Weise ergänzen möchte, steht schnell vor einer erstaunlich großen Auswahl.

Auf den ersten Blick scheint die Entscheidung einfach: Schließlich stammen Öl und Presskuchen häufig aus derselben Saat. Tatsächlich unterscheiden sie sich in ihrer ernährungsphysiologischen Zusammensetzung jedoch deutlich.

Während Pflanzenöle in erster Linie Fett und damit konzentrierte Energie sowie bestimmte Fettsäuren liefern, bleiben im Presskuchen viele weitere Bestandteile der ursprünglichen Saat erhalten. Dazu gehören je nach Ausgangsprodukt unter anderem hochwertiges Protein, Aminosäuren, Faserbestandteile und sekundäre Pflanzenstoffe.

Deshalb lautet die entscheidende Frage nicht:

Ist Öl oder Presskuchen besser für mein Pferd?

Sondern:

Was fehlt in der bestehenden Ration – und was möchte ich gezielt ergänzen?

Was ist Presskuchen überhaupt?

Presskuchen entsteht bei der Gewinnung von Pflanzenöl.

Ölhaltige Saaten wie Lein, Hanf, Sonnenblume, Schwarzkümmel oder Mariendistel werden gepresst. Ein Teil des enthaltenen Öls wird dabei gewonnen, während eine feste Masse zurückbleibt: der sogenannte Presskuchen.

Und genau dieser Begriff führt manchmal zu einem falschen Eindruck. Presskuchen ist keineswegs einfach ein wertloses Nebenprodukt der Ölherstellung.

Durch den Entzug eines Teils des Öls verändern sich vielmehr die Nährstoffverhältnisse. Bestandteile, die nicht oder nur zum Teil in das Öl übergehen, bleiben im Presskuchen erhalten. Dazu gehören insbesondere:

  • hochwertiges Protein und Aminosäuren,
  • Faserbestandteile,
  • ein Restanteil an Fett,
  • Mineralstoffe,
  • sowie je nach Saat unterschiedliche sekundäre Pflanzenstoffe.

Der Presskuchen vereint damit Eigenschaften der ursprünglichen Saat mit einer gegenüber der ganzen Saat veränderten Nährstoffkonzentration.

Und warum nicht einfach die ganzen Samen füttern?

Grundsätzlich spricht durchaus einiges dafür, Ölsaaten wie Leinsamen, Hanfsamen, Sonnenblumenkerne oder Schwarzkümmelsamen in ihrer ursprünglichen Form zu füttern. Schließlich enthält der ganze Samen zunächst alle natürlichen Bestandteile der Saat: Öl, Protein und Aminosäuren, Faserstoffe, Mineralstoffe sowie die jeweiligen sekundären Pflanzenstoffe.

Ein weiterer Vorteil liegt im natürlichen Schutz des enthaltenen Öls. Solange der Samen unbeschädigt ist, schützt die Samenschale das empfindliche Öl weitgehend vor dem Kontakt mit Sauerstoff und Licht. Besonders mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind oxidationsempfindlich. Nach dem Pressen oder Zerkleinern nimmt ihre Angriffsfläche für Sauerstoff deutlich zu – der ganze, intakte Samen ist daher in der Regel wesentlich lagerstabiler als das daraus gewonnene Öl oder frisch geschrotete Saat.

Auch die Kombination der verschiedenen Bestandteile bleibt bei der ganzen Saat in ihrem ursprünglichen Verhältnis erhalten. Anders als beim Öl wird keine einzelne Nährstofffraktion konzentriert und anders als beim Presskuchen wurde kein größerer Teil des Fettes entfernt.

Der Haken: Ein ganzer Samen muss erst einmal geöffnet werden

Was den Samen während der Lagerung schützt, kann bei der Verdauung allerdings zum Nachteil werden: seine Samenschale.

Viele Ölsaaten sind ausgesprochen klein. Pferde kauen sie deshalb nicht zwangsläufig ausreichend. Werden die Samen beim Kauen nicht aufgebrochen, können sie den Verdauungstrakt teilweise oder sogar weitgehend unverdaut wieder verlassen.

Das lässt sich bei manchen Pferden sogar mit bloßem Auge im Kot beobachten.

In diesem Fall wurde der Samen zwar gefressen – die darin eingeschlossenen Nährstoffe konnten aber nur eingeschränkt genutzt werden. Gerade das wertvolle Öl bleibt durch die intakte Samenschale geschützt. Was bei der Lagerung ein Vorteil ist, wird damit bei der Verdauung zum Nachteil.

Ganze Samen haben also durchaus Vorteile:

  • Die natürlichen Bestandteile der Saat bleiben in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung erhalten.
  • Das enthaltene Öl wird durch die intakte Samenschale vor Sauerstoff und Licht geschützt.
  • Dadurch sind ganze Samen meist lagerstabiler als daraus gewonnenes Öl oder geschrotete Saat.
  • Neben Fett werden gleichzeitig Protein, Aminosäuren, Faserbestandteile und weitere natürliche Inhaltsstoffe aufgenommen.
  • Die Saat wird vergleichsweise wenig verarbeitet.
  • Die Energiedichte ist geringer als bei reinem Öl, da nicht ausschließlich die Fettfraktion gefüttert wird.

Es gibt aber auch Nachteile:

  • Kleine Samen werden vom Pferd möglicherweise nicht ausreichend gekaut.
  • Intakte Samen können unverdaut ausgeschieden werden.
  • Dadurch ist schwer einzuschätzen, welcher Anteil der enthaltenen Nährstoffe tatsächlich verfügbar wird.
  • Die Verwertbarkeit kann von Pferd zu Pferd unterschiedlich sein – unter anderem abhängig vom Kauverhalten und vom Zahnstatus.
  • Wer gezielt eine bestimmte Menge Fett bzw. Fettsäuren ergänzen möchte, müsste über ganze Saat vergleichsweise größere Futtermengen einsetzen als über reines Öl.
  • Die Nährstoffzusammensetzung der ganzen Saat lässt sich nicht gezielt verschieben: Wer beispielsweise hauptsächlich zusätzliches Protein zufüttern möchte, führt mit der ganzen Ölsaat gleichzeitig relativ viel Fett zu.

Mahlen oder Schroten – die Lösung?

Durch Mahlen, Quetschen oder Schroten lässt sich die Samenschale aufbrechen. Die Inhaltsstoffe sind anschließend für die Verdauung wesentlich leichter zugänglich.

Damit geht allerdings ein wesentlicher Vorteil des ganzen Samens verloren: der natürliche Oxidationsschutz.

Sobald die Saat aufgebrochen wird, kommt das enthaltene Öl verstärkt mit Sauerstoff in Kontakt. Besonders bei Saaten mit einem hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren kann die Oxidation dadurch deutlich schneller voranschreiten.

Geschrotete oder gemahlene Ölsaaten sollten deshalb möglichst frisch verarbeitet und nicht über längere Zeit gelagert werden.

Presskuchen als Mittelweg

Genau hier wird der Presskuchen interessant.

Bei der mechanischen Ölgewinnung wird die Saat aufgebrochen und ein Teil des Öls entfernt. Viele andere Bestandteile der ursprünglichen Saat bleiben jedoch erhalten. Gleichzeitig muss das Pferd nicht erst eine intakte Samenschale überwinden, um an diese Bestandteile zu gelangen.

Presskuchen kann deshalb gewissermaßen einen Mittelweg darstellen:

Er enthält deutlich mehr von der ursprünglichen Saat als reines Öl, liefert aber weniger Fett als die ganze Ölsaat und liegt bereits in aufgeschlossener Form vor.

Welcher Weg der sinnvollste ist – ganze Saat, Presskuchen oder Öl – hängt deshalb auch hier davon ab, welche Bestandteile der Saat gezielt in die Ration eingebracht werden sollen.

Was liefern Pflanzenöle?

Pflanzenöle bestehen dagegen nahezu vollständig aus Fett.

Fett liefert etwa zweieinhalbmal so viel Energie wie Kohlenhydrate oder Protein und eignet sich deshalb sehr gut, um die Energiedichte einer Ration zu erhöhen, ohne gleichzeitig große Mengen Stärke zufüttern zu müssen.

Für die Pferdefütterung ist aber nicht nur die zusätzliche Energie interessant. Entscheidend ist insbesondere die Fettsäurezusammensetzung des jeweiligen Öls.

Denn Pflanzenöle unterscheiden sich erheblich darin, welche Fettsäuren und in welchem Verhältnis sie diese enthalten.

Ein Leinöl ist deshalb ernährungsphysiologisch nicht mit einem Sonnenblumenöl gleichzusetzen – genauso wenig wie Hanföl und Schwarzkümmelöl einfach gegeneinander ausgetauscht werden können.

Leinöl und Leinpresskuchen

Leinsamen gehören zu den klassischen Futtermitteln in der Pferdefütterung – und das aus gutem Grund.

Leinöl – reich an Omega-3-Fettsäuren

Leinöl zeichnet sich insbesondere durch seinen hohen Gehalt an Alpha-Linolensäure (ALA) aus. Diese gehört zu den essentiellen Omega-3-Fettsäuren und muss über die Nahrung aufgenommen werden.

Auch Untersuchungen am Pferd zeigen, dass die Fütterung von Leinöl die Fettsäurezusammensetzung im Blut verändert und insbesondere die Konzentration von Alpha-Linolensäure erhöht.

Leinöl eignet sich daher vor allem, wenn eine Ration gezielt mit Omega-3-Fettsäuren ergänzt werden soll.

Das kann beispielsweise interessant sein:

  • bei überwiegender Heufütterung ohne Zugang zu frischem Gras,
  • zur gezielten Ergänzung essentieller Fettsäuren,
  • zur zusätzlichen Energieversorgung,
  • bei Pferden, bei denen große stärkereiche Kraftfuttermengen vermieden werden sollen.

Gerade während der Weidesaison enthält frisches Gras von Natur aus vergleichsweise viele Omega-3-Fettsäuren. Bei reiner Heufütterung sieht die Situation anders aus, denn Lagerung und Trocknung verändern die Fettsäureversorgung.

Wichtig: Leinöl ist empfindlich

Der hohe Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren macht Leinöl gleichzeitig sehr oxidationsempfindlich.

Es sollte deshalb kühl und lichtgeschützt gelagert und nach dem Öffnen zeitnah verbraucht werden. Ranzig riechendes oder schmeckendes Öl gehört nicht mehr in den Futtertrog.

Leinpresskuchen – mehr als nur Fett

Beim Leinpresskuchen bleibt dagegen ein großer Teil der festen Bestandteile des Leinsamens erhalten.

Neben Restöl enthält er insbesondere Protein, Aminosäuren und Faserbestandteile.

Eine Besonderheit des Leinsamens sind seine Schleimstoffe. Diese sitzen vor allem in den äußeren Samenschichten und besitzen eine ausgeprägte Fähigkeit, Wasser zu binden. Leinsamenschleim besteht aus löslichen Faserstoffen, die bei Kontakt mit Wasser eine gelartige Struktur bilden.

Genau deshalb werden Leinsamen traditionell in der Pferdefütterung zur Unterstützung der normalen Verdauungsfunktion eingesetzt.

Leinpresskuchen kann daher besonders interessant sein, wenn nicht nur Fettsäuren ergänzt werden sollen, sondern gleichzeitig:

hochwertiges Protein, Aminosäuren, Faserbestandteile und die natürlichen Bestandteile des Leinsamens gewünscht sind.

Für viele Pferde ist Leinpresskuchen deshalb eine sehr vielseitige Möglichkeit, eine ansonsten raufutterbasierte Ration aufzuwerten.

Hanföl und Hanfpresskuchen

Hanf hat sich in den vergangenen Jahren einen festen Platz in der Pferdefütterung erarbeitet. Dabei geht es ausdrücklich um Nutzhanf und seine Samen – nicht um berauschende Inhaltsstoffe.

Hanf ist vor allem wegen der Kombination aus hochwertigen Fettsäuren und Protein interessant.

Hanföl – interessantes Verhältnis verschiedener Fettsäuren

Hanföl enthält sowohl Omega-6- als auch Omega-3-Fettsäuren.

Charakteristisch ist außerdem ein natürlicher Anteil an Gamma-Linolensäure (GLA), einer Omega-6-Fettsäure, die in vielen üblichen Pflanzenölen gar nicht oder nur in sehr geringen Mengen vorkommt.

Damit unterscheidet sich Hanföl deutlich von Leinöl.

Während Leinöl vor allem dann interessant ist, wenn besonders viel Alpha-Linolensäure und damit Omega-3 ergänzt werden soll, bietet Hanföl ein breiteres Spektrum verschiedener mehrfach ungesättigter Fettsäuren.

Es eignet sich daher gut zur allgemeinen Aufwertung einer Ration mit natürlichen Fettsäuren und gleichzeitig zur zusätzlichen Energieversorgung.

Hanfpresskuchen – Protein, Aminosäuren und Restöl

Besonders interessant ist Hanf als Presskuchen.

Durch die Ölgewinnung wird ein Teil des Fettes entfernt. Die festen Bestandteile des Hanfsamens bleiben dagegen erhalten, sodass sich Protein und Faserbestandteile im Verhältnis stärker konzentrieren.

Hanfpresskuchen ist dadurch ein natürlicher Lieferant von:

  • hochwertigem Protein,
  • verschiedenen Aminosäuren,
  • Faserbestandteilen,
  • Restöl und damit Fettsäuren.

Hanfprotein enthält ein breites Aminosäurespektrum. Bei der Pferdefütterung sollte allerdings nicht nur auf die Gesamtmenge an Rohprotein geschaut werden. Entscheidend ist immer die Versorgung mit den einzelnen essentiellen Aminosäuren – insbesondere Lysin. Genau deshalb ist die Proteinqualität eines Futtermittels wichtiger als ein möglichst hoher Rohproteinwert. Auch die moderne Proteinbewertung für Pferde berücksichtigt inzwischen stärker die präcaecal verdaulichen Aminosäuren.

Hanfpresskuchen eignet sich deshalb besonders gut als natürliche Futteraufwertung.

Schwarzkümmelöl und Schwarzkümmelpresskuchen

Schwarzkümmel (Nigella sativa) nimmt unter den Ölsaaten eine besondere Stellung ein.

Während Lein, Hanf und Sonnenblume häufig vor allem wegen ihrer Nährstoffe eingesetzt werden, wird Schwarzkümmel traditionell auch wegen seiner sekundären Pflanzenstoffe geschätzt.

Besonders bekannt ist Thymochinon, einer der charakteristischen Pflanzenstoffe des Schwarzkümmels.

Schwarzkümmelöl – konzentrierte fettlösliche Bestandteile

Beim Pressen gelangen das Öl und verschiedene fettlösliche Bestandteile des Samens in das Schwarzkümmelöl.

In der traditionellen Fütterung wird Schwarzkümmel insbesondere im Zusammenhang mit:

  • der physiologischen Funktion des Immunsystems,
  • den Atemwegen,
  • Haut und Fell,
  • sowie der allgemeinen Reaktion auf äußere Umweltreize (Allergien)

eingesetzt.

Gerade deshalb wird Schwarzkümmel häufig von Pferdehaltern gewählt, deren Pferde beispielsweise während der Pollen- oder Insektensaison besonders sensibel reagieren.

Schwarzkümmelpresskuchen – die ganze Saat etwas näher am Original

Beim Schwarzkümmelpresskuchen verbleiben zusätzlich zum Restöl die festen Bestandteile des Samens.

Damit liefert er nicht nur die für Schwarzkümmel typischen Pflanzenbestandteile, sondern zusätzlich:

  • Protein,
  • Aminosäuren,
  • Faserbestandteile,
  • einen natürlichen Restölgehalt.

Für Pferdehalter, die Schwarzkümmel über einen längeren Zeitraum in die tägliche Futterration integrieren möchten, kann Presskuchen deshalb eine interessante Alternative zum reinen Öl sein.

Öl und Presskuchen sind auch hier nicht identisch: Das Öl konzentriert die Fettfraktion, während der Presskuchen ein wesentlich breiteres Spektrum der ursprünglichen Saat enthält.

Sonnenblumenöl und Sonnenblumenpresskuchen

Die Sonnenblume wird in der Pferdefütterung gelegentlich unterschätzt. Dabei liefert sie nicht nur wertvolle Fettsäuren und Protein, sondern ist auch eine natürliche Quelle für Vitamin E.

Sonnenblumenöl – Linolsäure und natürliches Vitamin E

Sonnenblumenöl enthält einen hohen Anteil an Linolsäure, einer essentiellen Omega-6-Fettsäure.

Auch Omega-6-Fettsäuren sind für den Organismus unverzichtbar. Sie sind unter anderem Bestandteile von Zellmembranen und Ausgangsstoffe verschiedener körpereigener Signalstoffe.

Eine weitere interessante Eigenschaft von Sonnenblumenöl ist sein natürlicher Gehalt an Vitamin E, insbesondere α-Tocopherol. Vitamin E ist ein fettlösliches Vitamin und übernimmt im Organismus eine wichtige Funktion als Antioxidans: Es trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.

Der tatsächliche Vitamin-E-Gehalt eines Sonnenblumenöls kann je nach Sorte, Anbaubedingungen, Verarbeitung und Lagerung schwanken. Dennoch gehört Sonnenblumenöl zu den pflanzlichen Lebensmitteln, die natürlicherweise relevante Mengen an Vitamin E liefern können.

Gerade bei Pferden ohne Zugang zu frischem Weidegras kann die natürliche Vitamin-E-Versorgung ein interessantes Thema sein, da frisches Grünfutter eine wichtige natürliche Vitamin-E-Quelle darstellt und sich die Gehalte während der Heubereitung und Lagerung verringern.

Sonnenblumenpresskuchen – besonders interessant als Proteinquelle

Beim Pressen der Sonnenblumenkerne wird ein großer Teil des Öls entfernt. Dadurch nimmt der relative Anteil anderer Nährstoffe zu.

Sonnenblumenpresskuchen ist insbesondere als natürlicher Protein- und Aminosäurenlieferant interessant und enthält darüber hinaus Faserbestandteile sowie einen Restanteil des ursprünglichen Sonnenblumenöls.

Mit diesem Restöl verbleiben auch fettlösliche Bestandteile der Saat im Presskuchen. Dazu gehört natürlich vorkommendes Vitamin E. Wie viel davon tatsächlich enthalten ist, hängt jedoch stark vom Ausgangsmaterial und insbesondere davon ab, wie viel Öl nach der Pressung im Presskuchen verbleibt. 

Gerade für Pferde, deren Grundration zwar genügend Energie, aber nicht unbedingt genügend hochwertiges Protein liefert, kann Sonnenblumenpresskuchen eine interessante Ergänzung sein.

Das kann beispielsweise bei erhöhtem Bedarf relevant werden:

  • im Wachstum,
  • während des Muskelaufbaus,
  • bei älteren Pferden,
  • bei schlechter Grundfutterqualität,
  • oder wenn eine Heuanalyse auf eine knappe Proteinversorgung hinweist.

Mariendistelöl und Mariendistelpresskuchen

Auch bei der Mariendistel lohnt sich die Unterscheidung zwischen Öl und Presskuchen.

Die Früchte der Mariendistel (Silybum marianum) enthalten sowohl fettreiches Öl als auch verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe. Besonders bekannt ist der Pflanzenstoffkomplex Silymarin, zu dem verschiedene Flavonolignane gehören.

Mariendistel wird traditionell insbesondere im Zusammenhang mit der physiologischen Funktion der Leber geschätzt.

Mariendistelöl – wertvolle Fettsäuren aus den Mariendistelsamen

Mariendistelöl wird aus den ölhaltigen Früchten beziehungsweise Samen der Mariendistel gewonnen.

Das Öl enthält vor allem ungesättigte Fettsäuren. Je nach Ausgangsmaterial dominiert dabei in der Regel Linolsäure (Omega-6), daneben enthält Mariendistelöl unter anderem Ölsäure.

Damit liefert Mariendistelöl – wie andere Pflanzenöle – konzentrierte Energie und kann die Ration mit natürlichen Fettsäuren ergänzen.

Bei Mariendistelöl ist allerdings eine wichtige Unterscheidung notwendig:

Mariendistelöl ist nicht mit einem konzentrierten Silymarin-Extrakt gleichzusetzen.

Der bekannte Silymarin-Komplex befindet sich überwiegend in anderen Bestandteilen der Frucht und geht bei der Ölgewinnung nicht vollständig in die Ölfraktion über. Wer Mariendistel ausschließlich aufgrund des Silymarins einsetzen möchte, sollte deshalb nicht automatisch davon ausgehen, dass das reine Öl die konzentrierteste Form darstellt.

Das Mariendistelöl hat vielmehr seinen eigenen ernährungsphysiologischen Wert als natürliches Pflanzenöl mit seinem charakteristischen Fettsäuremuster und weiteren fettlöslichen Bestandteilen der Saat.

Mariendistelpresskuchen – mehr Bestandteile der ursprünglichen Saat

Beim Mariendistelpresskuchen wird ein Teil des Öls entfernt, während ein großer Teil der festen Bestandteile der Mariendistelfrucht erhalten bleibt.

Dadurch unterscheidet er sich deutlich vom reinen Mariendistelöl.

Er liefert unter anderem:

  • hochwertiges Protein und Aminosäuren,
  • Faserbestandteile,
  • einen natürlichen Restölgehalt,
  • sowie weitere Bestandteile der ursprünglichen Mariendistelfrucht.

Gerade im Hinblick auf die charakteristischen Pflanzenstoffe der Mariendistel ist diese Unterscheidung interessant. Da Silymarin nicht einfach vollständig mit dem ausgepressten Öl gewonnen wird, verbleibt ein erheblicher Anteil der entsprechenden Pflanzenbestandteile in der festen Fraktion.

Mariendistelpresskuchen verbindet damit die Eigenschaften eines natürlichen Protein- und Faserlieferanten mit den charakteristischen Bestandteilen der Mariendistel.

Mariendistel wird traditionell insbesondere zur Unterstützung der physiologischen Leberfunktion eingesetzt. Auch beim Pferd gibt es Untersuchungen zur Fütterung von Mariendistelsamen-Presskuchen und verschiedenen Stoffwechselparametern.


Kann man Öl und Presskuchen gemeinsam füttern?

Natürlich.

Es gibt keinen grundsätzlichen Grund, warum ein Pferd nicht beispielsweise Leinpresskuchen und Hanföl oder Sonnenblumenpresskuchen und Leinöl erhalten könnte.

Im Gegenteil: Unterschiedliche Futtermittel können sich in einer sinnvoll zusammengestellten Ration ergänzen.

Entscheidend ist aber immer die Gesamtration.

Nur weil ein Futtermittel einen wertvollen Nährstoff enthält, bedeutet das nicht automatisch, dass das Pferd diesen zusätzlich benötigt.

Wer beispielsweise bereits ausreichend Energie füttert, muss nicht zusätzlich große Mengen Öl geben. Und ein Pferd mit bedarfsgerechter Proteinversorgung benötigt nicht automatisch noch einen proteinreichen Presskuchen.

Deshalb beginnt eine sinnvolle Futterergänzung beim Grundfutter

Die Grundlage jeder Pferdefütterung bleibt das Raufutter.

Wie viel Energie, Protein, Mineralstoffe und andere Nährstoffe tatsächlich ergänzt werden müssen, hängt maßgeblich von der Qualität und Menge des gefütterten Heus sowie vom individuellen Bedarf des Pferdes ab.

Eine Heuanalyse kann deshalb wesentlich aufschlussreicher sein als der bloße Blick auf einzelne Futtermittel.

Insbesondere bei der Beurteilung der Energie- und Proteinversorgung lässt sich erst anhand der Grundration sinnvoll entscheiden, ob zusätzliches Öl, ein Presskuchen oder überhaupt keine weitere Ergänzung erforderlich ist.

Fazit: Nicht „Was ist besser?“, sondern „Was braucht mein Pferd?“

Öl und Presskuchen sind keine konkurrierenden Futtermittel.

Sie sind zwei unterschiedliche Produkte aus demselben Ausgangsmaterial – mit jeweils eigenen ernährungsphysiologischen Schwerpunkten.

Öle liefern vor allem konzentrierte Energie und Fettsäuren.

Presskuchen liefern neben Restöl zusätzlich Protein, Aminosäuren, Faserbestandteile und – abhängig von der verwendeten Saat – weitere natürliche Pflanzenbestandteile.

Deshalb kann Leinöl für ein Pferd genau richtig sein, während für ein anderes Leinpresskuchen die sinnvollere Wahl ist. Ebenso kann Sonnenblumenpresskuchen hervorragend in eine Ration passen, obwohl zusätzliches Sonnenblumenöl dort gar nicht benötigt wird.

Die sinnvollste Ergänzung ist also nicht das Futtermittel mit den meisten vermeintlichen „Vorteilen“.

Die sinnvollste Ergänzung ist immer diejenige, die eine tatsächliche Lücke in der bestehenden Ration schließt.

 

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