Sommerekzem beim Pferd – Ursachen, Fütterung, Haltung und natürliche Unterstützung
Das Sommerekzem gehört zu den häufigsten Hautproblemen beim Pferd und bedeutet für viele betroffene Tiere jedes Jahr eine enorme Belastung. Starker Juckreiz, offene Hautstellen, Scheuern an Mähne und Schweif sowie sekundäre Hautinfektionen können die Lebensqualität massiv beeinträchtigen.
Doch auch wenn die genetische Veranlagung eine Rolle spielt, entscheidet häufig erst das Zusammenspiel aus Haltung, Fütterung, Stoffwechsel und Pflege darüber, ob ein Pferd tatsächlich Symptome entwickelt – und wie stark diese ausfallen.
Was ist Sommerekzem überhaupt?
Beim Sommerekzem handelt es sich um eine Überempfindlichkeitsreaktion auf Bestandteile des Speichels bestimmter stechender Insekten, vor allem der sogenannten Culicoides-Mücken. Die Symptome treten typischerweise in den warmen Monaten von Frühjahr bis Herbst auf. Besonders betroffen sind häufig Mähne, Schweifansatz, Bauchnaht und Kopfbereich.
Typische Anzeichen:
- starker Juckreiz
- Scheuern von Mähne und Schweif
- kahle oder offene Hautstellen
- Krustenbildung
- entzündete Hautareale
- Unruhe und Stress
Viele Pferde entwickeln durch das ständige Scheuern zusätzlich bakterielle Sekundärinfektionen.
Haltung: Bewegung statt Dauerbox
Noch immer werden Sommerekzemer häufig möglichst „mückensicher“ in der Box gehalten. Kurzfristig mag das logisch erscheinen – langfristig entstehen dadurch jedoch oft neue Probleme.
Mangelnde Bewegung kann den Stoffwechsel belasten und das Risiko für weitere Probleme wie Übergewicht, Hufrehe, Koliken oder Stoffwechselstörungen erhöhen. Gerade letztere spielen bei vielen Sommerekzemern eine wesentliche Rolle.
Eine möglichst artgerechte Haltung mit:
- viel freier Bewegung
- frischer Luft
- sozialem Kontakt
- strukturierter Fütterung
- ausreichend Ruheplätzen
kann den Organismus deutlich entlasten.
Besonders bewährt haben sich gut geplante Offenstall- oder Aktivstallkonzepte mit geschützten Unterständen und angepasstem Weidemanagement. Dabei sollte individuell beurteilt werden, wann der Insektendruck besonders hoch ist – häufig sind Morgen- und Abendstunden problematisch.
Die Fütterung eines Sommerekzemers
Die Fütterung spielt bei Pferden mit Sommerekzem eine zentrale Rolle. Ziel sollte es sein, den Stoffwechsel möglichst wenig zu belasten und eine stabile Verdauung zu fördern.
Warum der Darm so wichtig ist
Der Verdauungstrakt des Pferdes reagiert äußerst sensibel auf Fütterungsfehler. Große Mengen Stärke und Zucker, häufig wechselnde Futtermittel oder unnötige Zusatzstoffe können das empfindliche Gleichgewicht der Darmflora beeinträchtigen.
Gerade Pferde mit Hautproblemen profitieren häufig von:
- einer möglichst naturnahen Fütterung
- hochwertigem Raufutter
- strukturreicher Ernährung
- reduzierter Zucker- und Stärkeaufnahme
- einer gezielten statt pauschalen Mineralisierung
Eine bedarfsgerechte Versorgung lässt sich idealerweise über eine Heuanalyse beurteilen. So können tatsächliche Defizite gezielt ausgeglichen werden, statt den Stoffwechsel unnötig mit Überversorgungen zu belasten.
Sinnvolle Ergänzungen bei Sommerekzem
Je nach Pferd können verschiedene natürliche Ergänzungen den Futterplan sinnvoll ergänzen.
Schwarzkümmelöl
Bio Schwarzkümmelöl wird von vielen Pferdehaltern besonders in den Sommermonaten eingesetzt. Es enthält wertvolle Fettsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe und wird traditionell in der Fütterung empfindlicher Pferde genutzt.
Leinöl
Bio Leinöl liefert Omega-3-Fettsäuren und ergänzt die Ration mit hochwertigen pflanzlichen Fettsäuren.
Kräuter und Pflanzenstoffe
Auch Kräuter wie:
werden traditionell zur Unterstützung des Stoffwechsels eingesetzt.
Dabei gilt: Nicht jedes Pferd benötigt jede Ergänzung. Entscheidend ist immer die individuelle Gesamtration.
Pflege: Weniger Chemie, mehr Hautschutz
Die Haut eines Sommerekzemers ist oft bereits stark gereizt und empfindlich. Umso wichtiger ist eine möglichst schonende Pflege.
Viele konventionelle Pflegeprodukte enthalten synthetische Inhaltsstoffe, Duftstoffe oder problematische Tenside. Gerade bei empfindlicher Haut kann das kontraproduktiv sein.
Wichtige Ziele der Pflege:
- Haut beruhigen
- Insekten fernhalten
- Scheuern reduzieren
- Hautbarriere unterstützen
- offene Stellen sauber halten
Sind Ekzemerdecken sinnvoll?
Ekzemerdecken können in vielen Fällen hilfreich sein, insbesondere während Phasen mit hohem Insektendruck. Dennoch sollten sie nicht als alleinige Lösung betrachtet werden.
Wichtig sind:
- gute Passform
- regelmäßige Reinigung
- tägliche Kontrolle auf Scheuerstellen
- ausreichende Atmungsaktivität
- angepasstes Management bei großer Hitze
Denn auch unter einer Decke muss die Haut gesund bleiben.
Hygiene wird oft unterschätzt
Gerade bei Sommerekzemern spielt Hygiene eine deutlich größere Rolle, als vielen bewusst ist.
Schweiß, Schmutz und Rückstände von Pflegeprodukten können die Haut zusätzlich reizen und Insekten anlocken. Regelmäßiges Putzen und – bei geeigneten Temperaturen – vorsichtiges Waschen können deshalb sinnvoll sein.
Wichtig:
- Decken regelmäßig waschen
- Putzzeug sauber halten
- verschwitzte Bereiche reinigen
- Rückstände von Pflegeprodukten entfernen
- Haut trocken halten
Auch Satteldecken, Halfter und anderes Zubehör sollten regelmäßig gereinigt werden.
Ganzheitlich denken statt Symptome unterdrücken
Sommerekzem ist selten ein Problem mit nur einer Ursache. Haltung, Fütterung, Stoffwechsel, Hautpflege und Insektenmanagement greifen ineinander.
Je früher man an mehreren Stellen gleichzeitig ansetzt, desto größer ist häufig die Chance, die Symptome deutlich zu reduzieren und dem Pferd die warme Jahreszeit spürbar angenehmer zu machen.
Ein einzelnes „Wundermittel“ gibt es meist nicht – ein durchdachtes Gesamtkonzept dagegen oft schon.





