Phlegmone beim Pferd: Ein Erfahrungsbericht

Phlegmone beim Pferd: Ein Erfahrungsbericht

Erstveröffentlichung: 2018
Überarbeitet und aktualisiert: Juni 2026

Meine Erfahrungen mit Meerrettich und Ingwer bei wiederkehrender Phlegmone

Dieser Artikel beschreibt meine persönlichen Erfahrungen mit einem Pferd, das über einen längeren Zeitraum immer wieder an Phlegmone erkrankte. Er ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung und soll keinesfalls als allgemeine Therapieempfehlung verstanden werden.

Die hier geschilderten Erfahrungen basieren auf den damaligen Behandlungserfolgen bei meinem eigenen Pferd sowie auf Informationen aus dem Buch „Ingwer, Meerrettich und Süßholz in der Pferdefütterung“ von Dr. Stefan Brosig. 

Phlegmone beim Pferd – Allgemeine Informationen

Was ist eine Phlegmone?

Eine Phlegmone ist eine bakterielle Infektion des Unterhautbindegewebes und der Lymphgefäße. Ursache sind sich schnell verschließende kleine Wunden oder Insektenstiche, da es sich hier um anaerobe Bakterien handelt, also solche, die keinen Sauerstoff benötigen. Auch Mauke kann eine perfekte Eintrittspforte für diese Erreger sein. Im Prinzip kann jeder Teil des Pferdekörpers betroffen sein, aber meist sind es die Gliedmaßen, insbesondere die Hinterbeine. Die Phlegmone kann mit oder ohne Abszessbildung verlaufen.

Auffällig wird das Pferd durch eine Schwellung und Berührungsempfindlichkeit des betroffenen Bereichs. Zudem ist die Stelle warm. Im weiteren Verlauf bekommt das Pferd häufig hohes Fieber (40°C) und wird schlapp, müde und verweigert die Futteraufnahme. Die Entzündung breitet sich rasend schnell aus. Innerhalb weniger Stunden kann z.B. aus einem harmlosen Insektenstich am Bein eine großflächige Schwellung entstehen. Oft gehen die Pferde stark lahm oder belasten das betroffene Bein gar nicht mehr. Muskelzittern aufgrund der starken Schmerzen und des Fiebers ist möglich. Zudem kann es durch die Überbelastung des gegenüberliegenden Beins zu einer Belastungsrehe kommen. 

Was macht der Tierarzt?

Da Schwellungen an den Gliedmaßen verschiedene Ursachen haben können, wird der Tierarzt zunächst untersuchen, ob tatsächlich eine Phlegmone vorliegt oder ob beispielsweise eine Verstauchung, ein Ödem oder eine andere Erkrankung die Beschwerden verursacht.

Wird eine Phlegmone diagnostiziert, erfolgt häufig eine Behandlung mit Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamenten. Welche Therapie im Einzelfall sinnvoll ist, entscheidet der behandelnde Tierarzt anhand des Krankheitsverlaufs und des Allgemeinzustandes des Pferdes. 

Was kann ich selbst tun?

Bis zur tierärztlichen Versorgung wird der betroffene Bereich häufig gekühlt, um die Ausbreitung der Entzündung möglichst einzudämmen. Viele Pferde profitieren zudem von Ruhe, sodass eine vorübergehende Unterbringung in einer Box sinnvoll sein kann.

Sobald die akute Entzündung zurückgeht, das Fieber sinkt und der Tierarzt sein Einverständnis gibt, kann kontrollierte Bewegung hilfreich sein. Mehrmals tägliches Führen im Schritt unterstützt den Abtransport der angesammelten Gewebsflüssigkeit. Je nach Schweregrad der Erkrankung und Bewegungsbereitschaft des Pferdes können dies zwischen 10 und 30 Minuten pro Einheit sein.

Weiterhin können wärmende Bandagen und/oder Angussverbände hilfreich sein. Dazu nimmt man entweder nur warmes Wasser oder man fügt ein Antiseptikum hinzu. Ich habe mich eines Ringelblumentees bedient. Ringelblumen werden in der Literatur traditionell als antiseptisch wirkend beschrieben. Dazu habe ich 200g Ringelblumenblüten in 10 Liter kochendes Wasser gegeben und dies ziehen lassen bis der Tee auf etwa 30°C abgekühlt war. Dann habe ich die Ringelblumenblüten entnommen und langsam ca. 500ml von dem Tee von oben in den Verband hinein gegossen. Sobald ich das Gefühl hatte der Verband erkaltet, habe ich wieder 500ml hinein gegossen bis die 10 Liter aufgebraucht waren. 

Meine Erfahrungen

Da mein Pferd über viele Jahre hinweg immer wieder an Phlegmone erkrankte und bereits mehrere Antibiotikabehandlungen im Abstand von nur wenigen Wochen hinter sich hatte, suchte ich nach Alternativen zu den herkömmlichen Antibiotika.

Dabei stieß ich auf das Buch „Ingwer, Meerrettich und Süßholz in der Pferdefütterung“ von Dr. Stefan Brosig.

In Absprache mit meinem Tierarzt habe ich dann die Phlegmone mit Meerrettich und Ingwer behandelt. Zu diesem Zeitpunkt hatte mein Pferd bereits mehrere Antibiotikabehandlungen hinter sich und ich suchte gemeinsam mit meinem Tierarzt nach weiteren Möglichkeiten, die Situation zu begleiten.

Meerrettich wird aufgrund seiner enthaltenen Senföle in der Literatur häufig als „natürliches Antibiotikum“ bezeichnet. Laut verschiedenen Autoren gelten Resistenzbildungen als weniger wahrscheinlich als bei klassischen Antibiotika. Zudem wird ihm nachgesagt, die Darmflora weniger stark zu beeinflussen.

Laut Dr. Stefan Brosig ist eine Dosierung von 20g pro 100kg Körpergewicht ausreichend. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass diese Dosis nur wirksam ist, wenn die Entzündung gerade erst beginnt, also sehr früh erkannt wird. Wenn die Entzündung bereits weiter fortgeschritten war, habe ich eine Dosierung von etwa 35-50g pro 100kg Körpergewicht angesetzt. Dabei stellte ich fest, dass die benötigte Menge auch vom Frischegrad des Meerrettichs abhing. Je frischer der Meerrettich war, desto geringer fiel die erforderliche Menge aus.

Zudem gilt beim Meerrettich zu beachten, dass er erst etwa 24 Stunden nach dem Füttern Wirkung zeigte. Sobald das Fieber gesunken war (beim Meerrettich meist an Tag 2 oder 3), habe ich begonnen das Pferd wieder zu bewegen und den Abtransport der angesammelten Flüssigkeit zu fördern.

Meerrettich muss immer frisch gerieben (oder püriert) verfüttert werden, da seine Wirkstoffe (Senföle) sauerstoffempfindlich sind. Deshalb ist es ratsam immer einen kleinen Vorrat im Kühlschrank zu haben.

Weiterhin habe ich Ingwer gefüttert. Ingwer wird traditionell aufgrund seiner entzündungshemmenden Eigenschaften geschätzt. Nicht nur um die Phlegmone einzudämmen, sondern auch um eine Belastungsrehe zu verhindern. Die Dosierung begann ich bei 5-10g pro 100kg Körpergewicht.

Die Dauer der Meerrettich- und Ingwerfütterung ist abhängig von der Schwere der Phlegmone. Ich habe die besten Erfahrungen gemacht, indem ich 1 Woche lang hochdosiert wie oben angegeben Meerrettich gefüttert habe und dann über einen Zeitraum von nochmals 2 Wochen die Dosis herabgesetzt/ausgeschlichen habe. Bei Phlegmone anfälligen Pferden bietet es sich an immer wieder (entweder als 2 wöchig Kur oder jeden 2.-3. Tag) eine Dosis von 20g pro 100kg Körpergewicht Meerrettich unter das Futter zu mischen.

Zusätzlich setzte ich während dieser Zeit verschiedene Kräuter zur Unterstützung des Immunsystems ein. Besonders Echinacea und Brennnessel werden traditionell im Zusammenhang mit der Unterstützung der körpereigenen Abwehrkräfte genannt.

Wichtig ist an dieser Stelle noch einmal der Hinweis: Dies sind ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen und keine allgemeingültigen Empfehlungen zur Behandlung einer Phlegmone. Die enthaltenen Mengenangaben stammen aus meinen persönlichen Erfahrungen sowie den Angaben von Dr. Stefan Brosig und stellen keine allgemeingültigen Fütterungsempfehlungen dar.

Gewöhnung an den Geschmack

Eine interessante Erfahrung war, dass Pferde Meerrettich und Ingwer nicht immer sofort akzeptieren. Deshalb kann es sinnvoll sein, beide Futtermittel bereits in gesunden Zeiten gelegentlich in kleinen Mengen anzubieten.

Dadurch gewöhnen sich viele Pferde an Geruch und Geschmack, sodass sie die Aufnahme im Bedarfsfall nicht verweigern.

Gerade bei Pferden, die zu wiederkehrenden Phlegmonen neigen, kann dies hilfreich sein. Im Akutfall bleibt dann wertvolle Zeit erspart, da das Pferd die ungewohnten Futtermittel bereits kennt.

Der Heilungsverlauf meines Pferdes

4 Tage im Überblick: Vom akuten Schub bis zur deutlichen Besserung





Die Rolle der Spurenelementversorgung

Nach meinen späteren Erfahrungen lohnt es sich, bei Pferden mit wiederkehrenden Phlegmonen auch die Versorgung mit Spurenelementen genauer zu betrachten.

In meinem persönlichen Umfeld sowie nach Gesprächen mit anderen Pferdehaltern fiel auf, dass betroffene Pferde nicht selten eine unzureichende Selenversorgung aufwiesen. Ob hier tatsächlich ein ursächlicher Zusammenhang besteht, lässt sich daraus jedoch nicht sicher ableiten, da es (noch) keine Studien dazu gibt.

Eine bedarfsgerechte Versorgung mit Spurenelementen ist jedoch grundsätzlich wichtig für zahlreiche Stoffwechselvorgänge und die normale Funktion des Immunsystems. 

Vor- und Nachteile von Meerrettich aus meiner Sicht

Vorteile

  • einfache Beschaffung
  • vergleichsweise günstiger Rohstoff
  • von vielen Pferden gut akzeptiert
  • unkomplizierte Anwendung
  • interessante Alternative für Pferdehalter, die sich mit pflanzlichen Unterstützungsmöglichkeiten beschäftigen möchten

Nachteile

  • frische Zubereitung erforderlich
  • Wirkung tritt nicht unmittelbar ein
  • manche Pferde verweigern die Aufnahme
  • wissenschaftliche Datenlage deutlich begrenzt
  • ersetzt keine tierärztliche Behandlung/Konsultation

Mein Fazit

Rückblickend waren Meerrettich und Ingwer für mich eine wertvolle Unterstützung bei einem Pferd, das immer wieder an Phlegmone erkrankte. Dennoch würde ich auch heute niemals auf eine tierärztliche Diagnose verzichten. Phlegmone ist und bleibt ein Notfall, bei dem schnelles Handeln entscheidend ist.

Dieser Artikel soll deshalb keine Behandlungsempfehlung sein, sondern meine persönlichen Erfahrungen schildern. Vielleicht helfen sie dem einen oder anderen Pferdehalter dabei, gemeinsam mit seinem Tierarzt die individuell passende Vorgehensweise zu finden.

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